Lamprologus callipterus ist über den gesamten Tanganjikasee verbreitet.Hierzu eine Artbeschreibung von Julien Preuß.
Unter den zahlreichen Cichlidenarten, welche die leeren Häuser der Neothauma-Schnecke bewohnen, ist L.callipterus der größte obligate Schneckenbuntbarsch.
Es gibt Schneckencichliden, welche zwar ein Schneckenhaus zur Fortpflanzung nutzen, es jedoch nicht unbedingt benötigen, es also fakultativ nutzen.
Beispiele hierfür sind, unter anderem Neolamprologus caudopunctatus, Lepidolamprologus attenuatus, Telmatochromis vittatus und viele mehr.
Büscher beobachtete sogar eine Kolonie Lamprologus multifasciatus in einem Geröllfeld, welche keine Schneckenhäuser zur Verfügung hatten.
Im Umkehrschluss erklärt sich, warum die Gruppe der obligaten Schneckenbuntbarsche so benannt ist: Sie benötigen zur Fortpflanzung unbedingt ein leeres Schneckengehäuse.
Ob dies nun, wie im See von der Neothauma-Schnecke oder anderer im See beheimateter Schnecken stammt, ist dabei von sekundärer Bedeutung. Im Aquarium werden leere Schneckenhäuser der Weinbergschnecke gerne angenommen und im direkten Vergleich manchmal sogar vorgezogen.
Die Differenz in der Körpergröße ist wohl das auf den ersten Blick, auffälligste Merkmal von L.callipterus.
Die Weibchen bleiben mit einer Endgröße von max. 6,5 cm im Größendurchschnitt der Schneckencichliden.
Im starken Gegensatz dazu erreichen die Männchen eine Gesamtlänge von bis zu 16,5 cm und passen dadurch auch in kein Gehäuse mehr.
Nach Büscher beträgt das Gewichtsverhältnis zwischen Männchen und Weibchen bis zu 15:1, ein sehr bemerkenswerter Gegensatz.
Das natürliche Biotop von Neolamprologus callipterus liegt in der Uferzone zwischen 5 und ca. 60m Tiefe.
Am häufigsten ist die Art jedoch in der Übergangszone zwischen Fels- und Sandlitoral zu finden. Das Männchen ist als einziger Vertreter der Schneckencichliden dazu in der Lage, Schneckengehäuse über mehrere Meter zu tragen und sich so sein Nest zu bauen.

Bild oben, Lamprologus callipterus Jungtier
Büscher beobachtete ein L.callipterus Nest auf einer Terrasse einer Steilwand, welche mehrere Meter über dem Seeboden lag. Die Nester können einen Durchmesser von über einem Meter haben und ca. 200-500 leere Schneckengehäuse beherbergen.
Die Lage seiner Nester hat strategische Bedeutung: Zum einen muss gewährleistet sein, dass die Weibchen gefahrlos das Nest erreichen können, zum anderen müssen Jungtiere, die nicht mehr im Nest geduldet werden, sicher, im Schutz der Felsen, abwandern können.
Die Weibchen halten sich während ihrer inaktiven Fortpflanzungsphase im Felslitoral in Ufernähe auf. Dort findet man auch Jungtiere die im Nest nicht mehr geduldet werden.
Männliche halbwüchsige Tiere schließen sich mit einer Körpergröße von 5-10 cm zu Schwärmen oder Schulen mit bis zu 40 Individuen zusammen.
Sie führen ein räuberisches Leben in allen Bereichen des Sees, in denen sie Nahrung finden können. Erst mit der Geschlechtsreife und einer Größe, mit der sie in der Lage sind die dickwandigen Gehäuse der Neothauma-Schnecke zu tragen, bilden sie ein Revier und tragen die Schneckenhäuser zu größeren Ansammlungen zusammen.
Die Tiere ernähren sich von Wirbellosen die sie unter anderem aus dem Sand filtern. Im jugendlichen Alter stehen auf dem Speiseplan der männlichen Schwärme vor allem Jungfische und Fischeier.
Die Männchen von Lamprologus callipterus haben drei Fortpflanzungsstrategien entwickelt. In erster Linie findet die Paarung zwischen dem dominanten Männchen und einem Weibchen statt. Das Männchen versucht das in Brutfärbung befindliche Weibchen in ein bestimmtes Schneckenhaus zu locken. Dabei liegt die endgültige Entscheidung jedoch beim Weibchen. Der Laichvorgang findet, aufgrund des Größenunterschieds, in und über dem Schneckenhaus statt. Hat sich das Weibchen für ein Schneckenhaus entschieden, legt das Weibchen ein Ei nach dem anderen in das Gehäuse ab. Das Männchen befindet sich über der Öffnung des Gehäuses und gibt in regelmäßigen abständen sein Sperma ab.
Eine weitere Fortpflanzngsstrategie ist das ‚,sneaking’’. Bei diesem Vorgang wird der übliche Laichakt durch geschlechtsreife, aber deutlich kleinere Männchen mit einer Größe von ca. 8-10 cm gestört. Die ,,Sneaker’’ nutzen unachtsame Augenblicke des Nestbesitzers, um ihr eigenes Sperma über dem Schneckenhaus abzugeben.
Die dritte Strategie im Brutverhalten ist das Auftreten von Zwergmännchen, welche eine Körpergröße von nur 3 cm aufweisen.
Diese Tiere sind geschlechtsreif und verwenden ihre gesamte Energie auf die Produktion von Sperma.
Zwergmännchen schwimmen an dem Weibchen vorbei in ein Schneckenhaus oder bemerken im Vorfeld für welches Gehäuse sich das Weibchen entscheidet und warten dort, bis der Laichakt beginnt.
Darauf hin besamen sie die vom Weibchen abgelegten Eier, zum Nachteil des Nestbesitzers.
Die Vaterschaft eines solchen Zwergmännchens, wurde bereits durch molekulare Untersuchungen nachgewiesen. Es gibt meist sogar mehrere Zwergmännchen in einem Callipterus-Nest, die dann eigene Reviere im eigentlichen Nest bilden und auch territoriale Kämpfe ausführen.
Eine weitere Besonderheit bei Lamprologus callipterus ist die Akzeptanz von artfremden Mitbewohnern im Nest und in der direkten Umgebung.
Oft wird Telmatochromis vittatus auf dem Nest von N.callipterus beobachtet, die dort im Schutz des großen Beschützers leben. Auch Neolamprologus fasciatus, Neolamprologus caudopunctatus, Lamprologus multifasciatus etc. wurden dort beobachtet. Generell werden Tiere bei der Nahrungssuche z.B. Tropheus und andere Aufwuchsfresser im Nest geduldet.
Quellen:
Bücher:
• Ad Konings – Handbuch für Tanaganjikabuntbarsche
• Wolfgang Staek – Schneckenbuntbarschfibel
• Hans Hirsch – Schneckencichliden, Ihr Hobby
World Wide Web:
• Aquanet.de
• Wikipedia
• Aquarium Guide
Vorträge:
• Heinz Büscher – Höhlenbrüter mit Fertighaus
Autor:Julien Preuß

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