Donnerstag 9 Februar 2023
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Was ist ein Utaka?

Erklärung woher der Begriff stammt und was gemeint ist.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren in der Forschung getan und längst ist klar, dass über die Utaka neu nachgedacht werden muss. Viele unterschiedliche Bewohner in der ufernahen Region des Freiwassers werden mittlerweile dem Überbegriff Utaka zugeordnet.

Utaka - ein Begriff, der sich kaum einordnen lässt.

Die Einheimischen am See nennen jeden Cichliden einen Utaka, den sie mit ihren speziellen, kreisförmigen Chirimila-Netzen im offenen Wasser fangen.Dies entspricht aber nicht der Definition, die Bertram, Borley und Trewavas (1942) benutzten. Die drei Wisenschaftler verwendeten den Begriff Utaka für die planktonfressenden Haplochromine mit stark vorstülpbaren Mäulern.

Heute ist Utaka der Oberbegriff für mehrere Gattungen von Cichliden, welche endemisch im Malawisee leben. Die meisten Arten werden zur Tribus (eine zwischen Gattung/Genus und Unterfamilie/Subfamilia gelegene Rangstufe der klassischen biologischen Systematik) Haplochromine gezählt. Fast alle Gattungen der Haplochromine stammen aus Afrika, mit dem Schwerpunkt Ostafrika.

Die Haplochromini im Malawisee haben eine Vielzahl endemischer Arten gebildet und stellen im See einen großen Teil der Fischfauna. Utaka sind sehr vielseitig und können aus heutiger Sicht nicht anhand einer evolutionären Spezialisierung (Futterspezialist/Brutspezialist) zusammengefasst werden.

Sie haben beispielsweise mehrere Bruttechniken entwickelt.Einige Arten brüten im Felsbiotop ohne irgendwelche Laichplatzbegrenzung. Die Männchen einiger anderer Arten bauen Laichgruben in der Überganszone, wieder andere auf offenem Sand.

Eine einzige Art (Copadichromis chrysonotus) laicht sogar im offenen Wasser ab. Utaka bewohnen fast ausschliesslich das ufernahe Freiwasser, am häufigsten kommt diese Art in der Nähe von Felsgründen oder aber auch an steil abfallenden Uferregionen vor.Populationen wurden häufig an so genannten Felsinseln oder an Riffen entdeckt.

Gleichzeitig sind weit draußen im Malawisee große Gruppen registriert worden. Auf den ersten Blick scheint es, dass ein Teil der Utakas tatsächlich das uferferne Freiwasser bevorzugt. Hierbei handelt es sich aber meist um Stellen im See, an denen Felsriffe aus sehr großer Tiefe aufragen und eigentlich wie bei Eisbergen nur etwa 10-20 % aus dem Wasser schauen - der typische Lebensraum von Utaka.

Die Fischer rund um den Malawisee geben die Standorte dieser Felsen von Generation zu Generation weiter, und werfen regelmäßig ihre Netze. Utaka gehören zum Speiseplan der einheimischen Bevölkerung.

Utaka sind die zahlenmäßig stärkste Gruppe der ufernahen Freiwasser-Vertreter.Im Laufe der Evolution haben sich einige Vertreter aus der Familie der Fischräuber darauf spezialisiert, sich überwiegend in dieser Nähe aufzuhalten und von Utakas zu ernähren.

Vor allem Rhamphochromis haben diese lukrative Futterquelle erschlossen.

Copdichromis Chrysonotus kommen sehr oft in der Region ufernahes Freiwasser vor.Manchmal sind tausende Exemplare anzutreffen.Aber - wie erwähnt - auch andere aus der Gattung Copadichromis. Häufig mischen sich auch Dimidochromis in die Schwärme. Darüber hinaus besuchen auch Gattungen aus anderen Lebensräumen hin und wieder die flachen Freiwasser-Regionen.

Zum Beispiel Protomelas (Spilonotus Tanzania).

Diese Fische, die an der Felsküste beheimatet sind und - wie der Name sagt - von der tanzanischen Seite des Malawisees stammen, sind ab und an an der Seite von Copadichromis chrysonotus zu sehen. Solche Beobachtungen wirken etwas sonderbar, zeigen aber auch, wie flexibel einige Arten sind.Und sie beweisen, dass angestammte Gebiete dennoch zeitweilg verlassen werden. Schön, dass es keine starren Schemen gibt und die Evolution immer ihren Weg nimmt.

Copadichromis Borley Kadango c

2 Copadichromis Chrysonotus

7 Copadichromis Virginalis Fire Crest Mloto

Zu erwähnen ist auch, dass sich die Wissenschaft darüber streitet, ob nicht sogar die Gattung Aulonocara den Utaka zugeordnet werden muss. Es gibt da also, wie beschrieben, verschiedene Ansätze, um Utaka zu definieren. Der aus meiner Sicht geltende Fakt ist die wissenschaftliche Taxonomie, welche aber bekanntlich auch einer kontinuierlichen Veränderung/Anpassung unterworfen ist.

Hinweis:

Die meisten im Web vorhandenen Hinweise und Beschreibungen sind in der Regel nichts anderes als Umformulierungen oder Auslegungen von wissenschaftlichem Material, oder wurden aus Fachzeitschriften entnommen, was in den allermeisten Fällen zu Verfälschungen des Informationsgehaltes führt. 

Dieser Bericht soll nicht abschliessend verstanden werden, sondern als Diskussionsgrundlage dienen.

MALAWI GURU APP

Autor:Silvan Hörnlimann

Bilder:Florian Bandhauer,Thomas Walter,Hans Bergkvist

   

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